Belastungen durch Corona: Aktiv werden gegen die Angst

Wir befinden uns durch die Coronakrise in einer Ausnahmesituation, die viele von uns so noch nie zuvor erlebt haben. Es ist also kein Wunder, dass nicht nur Menschen, die sich bereits in einer schwierigen Situation befinden, jetzt vermehrt Ängste und Unsicherheit erleben.

Das Wichtigste im Umgang mit Ängsten: Aus der Starre kommen und handlungsfähig werden, Vertrauen wieder finden und spüren, dass du selbst deine Angst regulieren kannst – und dir auch Hilfe holen darfst, wo es nötig ist.

In diesem Beitrag gebe ich einen Überblick über typische Ängste und Sorgen durch die aktuelle Krise und Tipps für den Umgang damit. Am Ende dieses Artikels findest du eine Liste mit Hinweisen und Telefonnummern für seelische Unterstützung oder Beratung bei verschiedenen Problemen.

Dieser Beitrag wird regelmäßig aktualisiert und ergänzt. Stand: 6.4.2020.

Wichtiger Hinweis: Wenn du mit starken, deinen Alltag einschränkenden Ängsten zu tun hast, hol dir ärztliche bzw. psychotherapeutische Hilfe. Meine Tipps sind nur Hinweise aus meiner persönlichen Erfahrung und können keine professionelle Diagnose oder Behandlung ersetzen.

Natürlich gibt es jene, die keine Probleme durch die Situation auf sich zukommen sehen, die außerdem ein solch „dickes Fell“ und stabiles Gemüt haben, dass Ihnen noch nicht einmal mulmig zumute wird.

Der Großteil der Bevölkerung ist jedoch vermutlich zumindest ein wenig besorgt.

Diese Gefühle zu haben ist ganz normal. Wir sehen uns zwar keiner Katastrophe biblischen Ausmaßes gegenüber – aber es handelt sich dennoch um eine uns bislang unbekannte Bedrohung unserer Sicherheit und unserer Gesundheit.

Andererseits: Wir leben schon unser ganzes Leben mit allen möglichen Risiken.

Über die meisten machen wir uns glücklicherweise nicht zu viele Gedanken: Autofahren, auf eine Leiter steigen, einer Sportart nachgehen – das alles ist nicht ungefährlich, aber wir sind es gewohnt, und wissen, dass meist alles gut geht.

Wir versuchen das Risiko, zum Beispiel durch Schutzkleidung, Anschnallen oder die Einhaltung von Regeln zu minimieren – und dann nicht weiter darüber nachzudenken. Genauso sollten wir – ganz nüchtern betrachtet – wohl auch mit der aktuellen Krise umgehen.

Dennoch – die aktuelle Situation ist neu, ungewohnt – und birgt viele Ungewissheiten. Damit gelassen umzugehen ist nicht leicht.

Sorgen durch die Coronakrise

Viele Gedanken drehen sich sicher um das eigene Wohlergehen und Gesundheit – oder die deiner Familie und Freunde.

Die Freiheitsbeschränkungen haben ein ganz eigenes Potential zu verunsichern. Werden wir die Freiheiten in absehbarer Zeit zurück erhalten? Können wir uns darauf verlassen? Wird wirklich nur zum Wohl der Gesellschaft entschieden?

Ganz unabhängig von solchen Gedanken gibt es viele Menschen, die durch die aktuelle Situation schon jetzt stärker belastet sind.

Die Ausgangsbeschränkungen können zu vermehrten häuslichen Konflikten und Gewalt führen.

Kinder, die kein sicheres Zuhause haben, können nicht mehr ausweichen. Frauen, die mit Tätern zusammenleben, sind noch häufiger physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt.

Durch die Schließung von Bordellen verlieren viele Frauen nicht nur ihren Lebensunterhalt, sondern auch das Dach über dem Kopf.

Obdachlosenheime sind ebenfalls geschlossen, so dass vielen Menschen die Möglichkeit genommen wird, zumindest zeitweise ein Bett und ein Dach über dem Kopf zu bekommen.

Auch jene, die ein sicheres Zuhause haben, sehen sich Ungewissheiten gegenüber. Viele Menschen haben berufliche und finanzielle Sorgen.

Menschen mit Vorerkrankungen, die auf Therapien, medizinische Behandlungen oder Pflege angewiesen sind, fragen sich, ob ihre Versorgung weiter gewährleistet ist – und ob sie eine Infektion mit dem Coronavirus überleben.

Menschen, die sowieso schon unter Kontaktarmut und Isolation leiden, verlieren vielleicht ihre letzten persönlichen Kontakte.

All dies sind berechtigte Sorgen. Wir können sie nicht vermeiden – aber wir sollten uns jede praktische und seelische Unterstützung holen, die möglich ist.

Werden die Sorgen aber selbst zum Problem, und fällt es dir schwer, zur Ruhe zu kommen, mache dir keine Vorwürfe! Es ist ganz normal, wenn angesichts der Ungewissheit das „Kampf- und Fluchtzentrum“ unseres Gehirns anspringt und uns in Alarmbereitschaft versetzt.

Es ist nur wichtig, das zu erkennen und dir Hilfe zu holen, damit zu den tatsächlichen Belastungen der aktuellen Situation nicht noch starke Ängste und anhaltende Stresszustände hinzukommen.

Eine Welle der Solidarität

Angesichts dieser Vielzahl an Veränderungen und Ungewissheiten bin ich sehr froh, dass die meisten von uns rational, vernünftig und hilfsbereit handeln.

Die Welle der Solidarität ist ganz wundervoll, vor allem jenen gegenüber, die zur Risikogruppe gehören und wegen Vorerkrankungen oder des höheren Alters eine Infektion mit dem Coronavirus unbedingt vermeiden sollten.

Es ist klar, dass auf viele Menschen jetzt Herausforderungen und Probleme zukommen. Aber wir sind nicht hilflos – und wir sind nicht allein.

Tipps zum Umgang mit der Krise

Egal, welcher Art und wie „realistisch“ deine Sorgen sind: Letztlich ist auch die Coronakrise ein weiteres Risiko, das nun ein Teil unseres Lebens ist. Ein neuartiges, für viele von uns, zugegeben. Aber auch hier gilt: Mach dir bewusst, welchen deiner Sorgen du durch Handeln begegnen kannst – und welche du als Ungewissheit hinnehmen musst.

Ich gebe einige Tipps, wie du mit der Unsicherheit und den Schwierigkeiten, die sich in der aktuellen Situation verschärfen, umgehen kannst und wo es Hilfsangebote gibt.

1. Achte gut auf dich!

  • Informiere dich bei vertrauenswürdigen Quellen über die aktuelle Situation. Lass dich nicht von ungeprüften Meldungen in sozialen Medien verunsichern! Aber mach auch immer wieder eine Informationspause und wende dich bewusst anderen Dingen zu.
  • Mach dir immer wieder bewusst, dass dieser Zustand zeitlich begrenzt ist. Wir werden einen Umgang mit dem neuen Virus finden und Stück für Stück unsere Freiheiten wieder bekommen.
  • Denk daran, niemand ist allein damit – viele Menschen haben Grund, sich Sorgen zu machen. Aber: Gerade deswegen ist auch die Hilfsbereitschaft groß.
  • Achte besonders darauf, dich regelmäßig zu entspannen und dir etwas Gutes zu tun. Vielleicht ist jetzt auch der richtige Zeitpunkt, um einen Online-Kurs für Meditation, Autogenes Training oder andere Entspannungsmethoden zu beginnen? Es gibt auch unzählige kostenlose Youtube-Videos und Apps.
  • Wenn du oder deine Familie durch Verlust des Arbeitsplatzes, Schließung der Schulen oder Homeoffice viel zu Hause seid, erschafft neue Regeln und Freiräume. Eine feste Tagesstruktur ist wichtig, außerdem genügend körperliche Bewegung um Stresshormone abzubauen. Hier findest du die wichtigsten Infos und Links für Familien.

2. Hol dir Hilfe!

  • Getraue dich, frühzeitig um Hilfe zu bitten. Je eher du damit beginnst, umso sicherer ist deine Versorgung gewährleistet. Erschaffe dir dein persönliches Hilfsnetzwerk – sprich FreundInnen, NachbarInnen und deine Familie an. Vernetzt euch digital und erstellt eine Telefonliste. Schreibt dazu, was jeder beitragen kann und möchte!
  • Auf meiner Hilfe-Seite und bei corona-hilfe-darmstadt.de findest du alle Hilfsinitiativen in Darmstadt. Oder ruf einfach direkt bei soliDArisch, der Initiative des SV98 an: Hotline: 06151 2752303 (täglich 10-14 Uhr)
  • Wenn du dir sehr viele Sorgen machst, schreib dir auf, was du befürchtest – und entscheide, wo du etwas ändern und aktiv werden kannst. Es gibt Hilfsangebote für Selbstständige und verschiedene Möglichkeiten, sich beraten zu lassen.
  • Scheue dich nicht, telefonisch Unterstützung zu suchen. Wende dich an die Telefonseelsorge, an die Pfarrerin/den Pfarrer deiner Gemeinde, dein/e Therapeut/in oder an deinen Arzt/deine Ärztin.
  • Für Frauen, die häusliche Gewalt erfahren oder befürchten, gibt es das Hilfetelefon. Auch für schwangere Frauen in schwieriger Situation gibt es eine Hotline. Auf meiner Seite findest du weitere Hilfsangebote für Frauen in Darmstadt und Umgebung.
  • Wenn Ängste dich überwältigen und deinen Alltag beeinträchtigen, sprich mit deinem Hausarzt/deiner Hausärztin und verschweige dein Problem nicht, auch nicht vor guten Freunden und deiner Familie. Deine Sorgen auszusprechen, kann für sich alleine schon sehr entlastend sein – und vielleicht könnt ihr gemeinsam nach einer Lösung und Hilfsmöglichkeiten suchen.

3. Hilf anderen!

  • Wenn du kannst, werde aktiv um anderen zu helfen! Hänge einen Aushang in deinem Haus oder im Viertel auf. Anderen zu helfen kann dir das Vertrauen zurück geben, handlungsfähig zu sein und etwas an der aktuellen Situation verbessern zu können.
  • Auch wenn du nicht aus dem Haus kannst oder willst, kannst du anderen helfen. Du kannst telefonieren, chatten, E-Mails und Briefe schreiben, basteln, Karten schicken. Viele Menschen, die zur Risikogruppe gehören, haben jetzt noch weniger Kontakte. Melde dich am besten bei soli-DA-risch.de und biete an, durch Gespräche, Briefe oder Online-Austausch zu helfen.
  • Wenn du gern schreibst oder fotografierst, kannst du bei Interesse deine Idee für einen Gastbeitrag für diesen Blog an elisa@corona-darmstadt.de schicken. Ich überlege auch gern gemeinsam mit dir, wo und wie du dich online – auf meiner Website oder woanders – mit einbringen kannst.
  • Wenn du nicht zur Risikogruppe gehörst, gibt es sehr viele Möglichkeiten zu helfen. Fürs Einkaufen, Gassigehen oder andere Besorgungen werden viele Helfer benötigt.
  • Wenn du medizinische Vorkenntnisse hast, wirst du in den nächsten Wochen und Monaten besonders gebraucht. Wenn es dir möglich ist, melde dich bei den Kliniken Darmstadt oder Darmstadt-Dieburg.
  • Auch ErntehelferInnen werden dringend benötigt. Auf der Seite hessen-helfen.de kannst du dich als freiwillige HelferIn registrieren lassen. Auf daslandhilft.de kannst du dich registrieren, wenn du gegen Entlohnung bei der Ernte helfen möchtest.
  • Wenn du ein Hotel oder eine Pension hast, könntest du kostenlos Ferienwohnungen an Familien mit beengten Wohnverhältnissen oder Zimmer an Menschen ohne Wohnung – oder an Angehörige von Menschen die in häuslicher Quarantäne sind – vergeben.

Telefonische Unterstützung und Online-Hilfen

Allgemein

  • Telefonseelsorge
  • PfarrerIn deiner Gemeinde – die meisten SeelsorgerInnen bieten telefonische Unterstützung an
  • ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen dürfen zur Zeit auch telefonische Beratung anbieten. Wenn du schon in Behandlung bist, frage nach einem Telefontermin. Mach dir vor dem Gespräch einige Notizen, was dir wichtig ist.
  • Wenn du dich einfach einsam fühlst und nach Kontakten und Gesprächen sehnst, wende dich an soli-da-risch.de, Hotline:  06151 2752303. Diese Initiative des Darmstadt SV98 vermittelt neben praktischen Hilfen auch Telefon- und Onlinekontakte.
  • Es gibt Online-Selbsthilfemanagement-Programme, die helfen können, mit Anspannung, Angst und Unsicherheit besser umzugehen. Die Deutsche Depressionshilfe bietet ein – derzeit kostenloses – Programm in 12 Sprachen an. Die Anmeldung ist per E-Mail an ifightdepression@deutsche-depressionshilfe.de möglich.
  • Psychiatrischer Notdienst Darmstadt e.V.: 06151 1594900, www.psychiatrischer-notdienst.de
  • Pflegetelefon: 030 2017 9131 wege-zur-pflege.de

Für Familien, Frauen und Kinder

Für Studierende

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.